Auszeiten nehmen in den eigenen vier Wänden? 5 Tipps, wie das gelingt

Auszeiten nehmen in den eigenen vier Wänden? 5 Tipps, wie das gelingt

Zuhause alleine seinQuelle: Andrea Piacquadio von Pexels
Jeder Mensch braucht Momente, in denen er sich eine Auszeit vom Alltag nehmen muss.

#Wirbleibenzuhause ist seit der Coronakrise ein Motto, das viele von uns berücksichtigen, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Neben der Coronakrise gibt es aber noch viele andere Gründe, warum Menschen viel Zeit zu Hause verbringen. Homeoffice, Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Selbstständigkeit, eine Teilzeittätigkeit oder auch die Rentenzeit zählen dazu. Die Herausforderung für Paare und Familien ist dabei, dass jedes Mitglied des Haushalts sich hier und da Auszeiten nehmen kann. Wir zeigen Ihnen, wie das gelingt.

„Ich werde hier noch wahnsinnig“, berichtet mir eine Freundin bei unserem wöchentlichen Videowein via FaceTime. „Ich bin hier nie alleine, ständig will jemand etwas von mir. Ich fühle mich, wie die Entenmama, der alle hinterherrennen – auch mein Mann!“ Sie ist verheiratet, eigentlich sehr glücklich, und hat zwei Kinder im Schul- und Kindergartenalter. Wir unterhalten uns über Beziehungen im Lockdown und was uns am meisten zu schaffen macht. Wir kommen zu dem Schluss: Wir sind nie allein und vermissen das so sehr, dass wir manchmal einfach so ins Bad gehen und uns auf den Wannenrand setzen, nur um uns mal fünf Minuten eine Auszeit zu nehmen.

Menschen brauchen Auszeiten

Dabei seien es gar nicht nur die Kinder, die nun aufgrund von geschlossenen Schulen und Kitas ständig in ihrer Nähe seien. Auch ihr Partner war seit Monaten nicht im Büro und sitzt Tag ein Tag aus neben ihr. Abends, wenn die Kinder dann im Bett sind, essen sie gemeinsam und schauen die 1.435ste Folge bei Netflix. „So muss es unseren Müttern gegangen sein, als unsere Väter plötzlich Rentner waren“, sagt sie und erinnert sich an die bekannte Szene aus dem Loriot-Film Pappa ante Portas: Heinrich geht unerwartet in Rente und steht plötzlich im Wohnzimmer hinter seiner Frau. Diese erschrickt und fragt, was Heinrich denn hier wolle. Er antwortet: „Ich wohne hier.“ Sie entgegnet: „Aber doch nicht jetzt, um diese Zeit.“ Wir lachen. Genauso ist es. Aber wie können wir das ändern? Wie können wir mehr Zeit für uns gewinnen – trotz Homeschooling, Homeoffice und Lockdown?

1. Bewusste Auszeiten nehmen

Das Schulkind muss Matheaufgaben erledigen, dem Kitakind ist langweilig und der Mann hängt seit Stunden in Videokonferenzen. Das klingt nicht gerade nach einem entspannten Alltag. Verabreden Sie innerhalb der Familie, wann Ihre Auszeiten stattfinden. Gönnen Sie sich beispielsweise eine Stunde am Tag zu einer festen Zeit, in der Sie keiner stören darf. Legen Sie sich in die Badewanne, gehen Sie spazieren, machen Sie Yoga oder liegen Sie einfach nur mal im Bett. Egal, was Sie machen, diese Stunde gehört nur Ihnen. Der Vorteil: Oft reichen kurze Auszeiten, um wieder genügend Energie für den restlichen Tag zu gewinnen.

2. Alleine an der frischen Luft bewegen

Auch wenn es draußen schmuddelig ist: Es gibt kaum etwas, was unserer Seele mehr Energie zurückgibt, als Bewegung an der frischen Luft. Der Sauerstoff gelangt direkt in unser Gehirn, die Aktivität kurbelt den Kreislauf an – beides sorgt dafür, dass wir uns sofort besser fühlen. Was Sie genau draußen machen, ist dabei gar nicht so wichtig. Ein Spaziergang durch die Nachbarschaft, eine kleine Radtour oder eine Joggingrunde sind eine gute Möglichkeit, einfach einmal rauszukommen.

3. Wellness zu Hause

Saunen, Kosmetikstudios und Co. sind geschlossen, aber Sie sehnen sich danach, sich mal wieder so richtig zu entspannen? Machen Sie den Abend zu Ihrem persönlichen Beautyerlebnis. Dann sind die Kinder im Bett und Ihr Partner kann die Zeit ebenfalls mal ganz für sich nutzen. Ein entspannendes Bad mit Lavendel, eine erfrischende Geschichtsmaske, eine reparierende Haarkur und dazu einfach einmal Digital Detox (also kein Handy, Laptop oder sonstige Geräte). Danach schlüpfen Sie in einen kuscheligen Schlafanzug und ziehen warme Socken an – Sie werden nach dieser Auszeit schlafen wie ein Baby.

4. Freie Zeit nutzen

Der Partner möchte eine große Runde joggen gehen? Klar, in der Zeit können Sie endlich mal wieder mit Ihrer besten Freundin per Videocall plaudern. Sie haben das Bedürfnis, abends Ihre Lieblingsserie zu schauen? Setzen Sie sich dafür ins Schlafzimmer und lassen Sie Ihren Partner im Wohnzimmer alleine. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie sich auch einmal in den eigenen vier Wänden zurückziehen. Denken Sie daran, wie oft Sie sonst mit Freundinnen ins Kino oder mal zum Sport gegangen wären.

 5. Kinderbetreuung aufteilen

Wer Kinder hat, ist so gut wie nie alleine. Gemeinsam können Sie aber dafür sorgen, dass jeder von Ihnen auch einmal kinderfrei und somit eine Auszeit vom Alltag hat. Gerade am Wochenende ist das oft kein Problem. Schauen Sie, dass Sie einen gesunden Mix aus Allein- und Familienzeit planen. Am Samstagvormittag gehen Sie mit den Kleinen eine Runde auf den Spielplatz und Enten füttern. Dafür übernimmt Ihr Partner am Sonntagnachmittag die Kinder und fährt in den Park.

Bei Auszeiten Verständnis füreinander zeigen


Ungewohnte Situationen wie der Lockdown, aber auch eine Veränderung des gewohnten Alltags – zum Beispiel der Renteneintritt – können dazu führen, dass Paare gemeinsam mehr Zeit als gewohnt miteinander verbringen und dann in Streit geraten. Um dies zu verhindern, ist eine gute Kommunikation das A und O. Teilen Sie sich gegenseitig Ihre Bedürfnisse mit und werten Sie den Wunsch des Partners nach Alleinzeit nicht als persönlichen Angriff. Jeder Mensch benötigt Zeit für sich, um danach die gemeinsamen Momente auch wieder genießen zu können.

Achtung: Es gibt Menschen, die verlernt haben, Dinge nur für sich zu tun. Daher ist es wichtig, mit dem Partner zu reden und ihm zu verdeutlichen, dass es nicht an ihm liegt, sondern Sie jetzt einfach Zeit für sich benötigen. Motivieren Sie ihn, in den freien Momenten selbst aktiv zu werden.

Wie Sie Ihre Freizeit auch in Corona gut nutzen können und gleichzeitig etwas für Ihre Gesundheit tun, dazu geben wir Ihnen hier einige Tipps:

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Food Trend „Levante-Küche“: Aromen aus dem Nahen Osten

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Resilienz stärken – während Corona und darüber hinaus

Resilienz stärken – während Corona und darüber hinaus

Zeit für VeränderungenQuelle: Alexas

Haben Sie schon einmal etwas von Resilienz gehört? Das ist die Fähigkeit, Stress- und Krisensituationen besser zu bewältigen und gestärkt aus ihnen herauszugehen – also genau das, was uns jetzt während der Coronakrise voranbringt. Denn schon seit Mitte März 2020 befinden wir uns weltweit in einer Art Ausnahmezustand. Es ist ruhig geworden im Alltag und einigen schlagen Lockdown, Kontaktbeschränkungen und Reiseverbote zunehmend auf das Gemüt. Es ist daher aktuell wichtiger denn je, auf die mentale Gesundheit zu achten. Wir zeigen, wie Sie Ihre Resilienz stärken und geben Tipps, die Ihnen jetzt zu mehr Wohlbefinden verhelfen.

 

Was ist Resilienz?

Resilienz leitet sich vom lateinischen Wort „resilire“ ab, was so viel wie „abprallen“ bedeutet. Ein Ausflug in die Physik verdeutlich ganz gut, was es damit auf sich hat. Resilienz beschreibt eine Substanz, die sogar nach starker Deformation wieder von selbst in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Resiliente Menschen sind wie diese Substanz: Sie besitzen die Fähigkeit, Krisensituationen und Schicksalsschläge zu bewältigen, sie zu akzeptieren und gestärkt daraus hervorzugehen. Resilienz hilft uns zudem, uns an Veränderungen flexibler anzupassen.

 

Wie kann Resilienz mir konkret helfen?

Krisen können uns ganz schön aus der Bahn werfen – sei es aufgrund eines plötzlichen Jobverlusts, dem Tod einer geliebten Person, der Trennung vom Partner oder auch bedingt durch das Coronavirus. Resiliente Menschen trauern auch, sind niedergeschlagen und verletzt. Doch sie haben gelernt, in Krisensituation schneller aus der Schockstarre zu erwachen und handlungsfähig zu bleiben. Das hat zur Folge, dass sie Auswege und Handlungsmöglichkeiten leichter sehen und offen für Veränderungen sind.

 

Wie kann ich meine Resilienz stärken?

Die gute Nachricht: Wirklich jeder kann Resilienz erlernen und psychisch widerstandsfähiger werden. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass das ein Prozess ist und nicht von heute auf morgen gelingt. Es braucht einfach etwas Zeit, bis wir neue Gewohnheiten verinnerlicht haben. Wir zeigen Ihnen im Folgenden, wie Sie Ihre Resilienz stärken können – kurzfristig, aber auch auf lange Sicht.

 

1. Seien Sie optimistisch

Wer einen gesunden Optimismus hat, sieht selbst in schwierigen Lebenssituationen etwas Positives. Ganz nach dem Motto: Das Glas ist stets halb voll und nicht halb leer. Ein solches Denken hilft uns, zu verdeutlichen, dass Krisen nie von Dauer sind, sondern irgendwann vorbeigehen. Ein Dankbarkeitstagebuch kann Ihnen helfen, sich im Alltag bewusster zu machen, was auch in der aktuellen Situation positiv ist. Schreiben Sie dafür jeden Abend mindestens drei Dinge auf, die Sie besonders gefreut haben – der Spaziergang am Mittag, das sehr gut gelungene Abendessen, ein schönes Telefonat, das Beobachten spielender Hunde im Park, …

Optimismus bedeutet, …

… aus wirklich jeder Situation das Beste zu machen.

… positiven Dingen im Alltag Bedeutung zu schenken.

… eine Krise als das anzusehen, was es ist – mehr aber auch nicht. Es kommen auch wieder bessere Tage!

Tipp für Coronazeiten:

Der Alltag mag für viele aktuell sehr trist, langweilig und eintönig erscheinen. Wie soll man da optimistisch bleiben? Indem wir uns neben dem Dankbarkeitstagebuch Dinge suchen, die unseren Geist erhellen. Dabei geht es nicht darum, besonders kreative Ausflüge zu planen. Nehmen Sie sich zum Beispiel vor, täglich an die frische Luft zu gehen und entdecken Sie dabei Ihre Stadt oder nähere Umgebung. Sie sind ein geselliger Mensch? Dann organisieren Sie doch einmal einen Spieleabend mit Ihren Freunden online. Oder nutzen Sie die Zeit, um neue Projekte zu starten, die Ihnen jetzt, aber auch über die Krise hinweg Freude bereiten. Optimistische Menschen schauen, wie aus der Situation das Beste herausholen können und sind damit zufrieden.

Menschen sind fröhlichQuelle: Min an via Pexels

2. Die Krise akzeptieren

Damit wir in einer Krise ins Handeln kommen können, müssen wir sie als solche akzeptieren und uns mit unveränderbaren Dingen abfinden. Das hat nichts mit Resignation zu tun, sondern hilft uns vielmehr, uns nicht mit negativen Gedanken in Schockstarre zu versetzen. Versuchen Sie lösungsorientiert zu handeln und Wege aus der Krise zu finden.

Sie akzeptieren, dass…

… Krisen zum Leben dazu gehören.

… Sie nicht auf alle Dinge Einfluss nehmen können und richten den Fokus auf das, was Sie aktiv verändern können.

Tipp für Coronazeiten:

Egal, ob wir das Radio anmachen, den Fernseher anschalten oder im Internet auf Nachrichtenseiten surfen: Uns begegnen viele Meldungen zu Corona. Zwar ist es wichtig, gut informiert zu sein, aber wer ständig News zu dem Virus checkt, macht sich nur unnötig selbst verrückt. Ebenfalls hilft es nicht, ständig darüber zu klagen. In der derzeitigen Situation geht es uns allen so, dass wir sehr viele Dinge und Personen vermissen. Aber: Es hilft nichts. Wir müssen gemeinsam die Krise bewältigen und nach vorne blicken. Legen Sie daher lieber Ihren Fokus darauf, was Sie unternehmen können, damit es Ihnen und Ihrer Familie gut geht.

 

3. Selbstwirksamkeit leben

Seien Sie von Ihren eigenen Kompetenzen überzeugt und verdeutlichen Sie sich, dass Sie Einfluss darauf nehmen können. Dabei hilft es, die eigenen Stärken kennenzulernen und sie bewusst zu trainieren. Von Zeit zu Zeit gewinnen Sie Vertrauen in Ihre Fähigkeiten, die Selbstwirksamkeit wächst. Fragen Sie ruhig auch Ihr nahes Umfeld, welche Eigenschaften oder Fähigkeiten Ihre Liebsten an Ihnen schätzen.

Sie glauben daran, dass…

… Sie alles schaffen, was Sie möchten.

… Sie neue Dinge erlernen können, auch wenn es schwierig erscheint.

… Sie, wenn Sie Neues ausprobieren, erfolgreich sein werden.

Tipp für Coronazeiten:

Suchen Sie sich während der aktuellen Zeit eine Challenge und fordern Sie sich selbst heraus. Das kann beispielsweise das Ziel sein, jeden Tag 10.000 Schritte zu gehen – auch bei Regenwetter, einen Monat lang vegan zu leben oder einen Online-Kurs zu absolvieren und sich neue Fähigkeiten anzueignen oder bestehende zu verbessern.

 

4. Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

Verlassen Sie die Opferrolle und nehmen Sie Ihr Leben selbst in die Hand. Das stärkt die Handlungsfähigkeit. Denn Sie sind es, die Dinge zum Positiven verändern können. Besonders in Krisenzeiten ist es wichtig, diese als Teil des aktuellen Lebens anzuerkennen, sich aber nicht davon lähmen zu lassen.

Sie…

… übernehmen für sich und Ihr Handeln Verantwortung, weil Sie an sich glauben.

… respektieren Ihre Schwächen und Bedürfnisse. Sie lassen sich aber nicht davon übermannen, sondern fokussieren sich auf Ihre Stärken.

Tipp für Coronazeiten:

Unser Leben spielt sich größtenteils nur noch in den eigenen vier Wänden ab. Unser Zuhause wird zum Arbeitsplatz, Kindergarten, Fitnessstudio und Rückzugsort in einem. Die Grenzen zwischen privatem und beruflichem verschwimmen. Routinen helfen, den Alltag zu strukturieren. Angefangen bei festen Schlafenszeiten und regelmäßigen Mahlzeiten bis hin zu Dingen, die dem seelischen Wohlbefinden guttun – Stichwort Self Care. Das kann Sport sein, aber auch ein ausgiebiges Bad, lange Spaziergänge, Yoga oder Meditation.

5. Soziale Kontakte pflegen

Haben wir Menschen um uns herum, die uns Kraft geben und uns den Rücken stärken, wirkt sich das stark auf unser Wohlbefinden aus. Resiliente Menschen pflegen diese Kontakte besonders. Wichtig: Achten Sie dabei darauf, dass es sich um Menschen handelt, die Ihnen auch wirklich guttun. Hier gilt: Qualität vor Quantität!

Beziehungen sind förderlich, wenn Sie…

… sich auf Ihre sozialen Kontakte verlassen und auch Probleme ansprechen können.

… nicht nur nehmen, sondern auch geben. Seien Sie für Freunde da!

… sich gegenseitig unterstützen und sich nicht im Weg stehen.

Tipp für Coronazeiten:

Die Kontaktbeschränkungen erschweren es uns, mit unseren Liebsten persönlich in Kontakt zu treten. Wir müssen also andere Wege finden, Menschen (virtuell) zu treffen und Freundschaften zu pflegen.

 

6. Pläne für die Zukunft schmieden

Hoffnungsvoll in die Zukunft blicken ist eine Eigenschaft, die resiliente Menschen an sich haben. Dazu gehört auch, sich Ziele zu setzen – kurzfristige, aber auch langfristige. Oft bilden die kurzfristigen Ziele sogar die Basis für die langfristigen. Sie sollten daher nicht unterschätzt werden.

Sie handeln zukunftsorientiert, …

… indem Sie sich realistische und klare Ziele setzen und Ihr Leben danach ausrichten.

… wenn Sie Ziele auswählen, die Sie so stark motivieren, dass Sie diese auch in Krisenzeiten nicht aus den Augen verlieren.

Tipp für Coronazeiten:

Versuchen Sie, Ihren Alltag langfristig umzustellen – nicht nur von Lockdown zu Lockdown. Menschen, die auf eine reine Durchhaltetechnik setzen, empfinden die aktuelle Situation oft als zermürbender und belastender als jene, die sich langfristig mit der Situation arrangieren. Wenn Sie beispielsweise merken, dass weniger Termine und soziale Verpflichtungen Ihnen aktuell eigentlich ganz guttun, dann versuchen Sie diesen Lebensstil auch nach der Krise beizubehalten.

 

Sie möchten wissen, wie resilient Sie schon sind? Dann machen Sie doch mal einen Resilienztest, etwa unter: www.resilience-project.eu/uploads/media/self_evaluation_de.pdf

Schnelle Hilfe in der Krise 

Jeder von uns kann in eine seelische Krise geraten, aus der wir selbst keinen Ausweg finden. Zögern Sie nicht, sich professionelle Hilfe zu suchen. Jeder, der in so einer Situation ist, kann Hilfe bekommen – anonym und kostenfrei. Hier ein paar wichtige Anlaufstellen:

  • Telefonseelsorge

Rund um die Uhr an 356 Tagen

Telefonnummer: 0800 1110111 oder 0800 1110222

www.telefonseelsorge.de

  • Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“

Telefonnummern:

Kinder und Jugendliche: 116 111 (montags – samstags von 14 – 20 Uhr)

Eltern: 0800 111 0 550 (montags – freitags von 9 – 17 Uhr und dienstags und donnerstags von 17 – 19 Uhr)

www.nummergegenkummer.de

  • Familien-Selbsthilfe „SeeleFon“

Telefonnummer: 0228 71002424 (Montag bis Donnerstag von 10 – 12 Uhr und 14 – 20 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr, freitags von 10 – 12 und 14 – 18 Uhr)

www.bapk.de/angebote/seelefon.html

Wie Corona den Begriff Gesundheit verändert

Wie Corona den Begriff Gesundheit verändert

Wir leben jetzt schon gut ein Jahr mit dem Corona-Virus. Und wohl jeder von uns merkt: Die Krise verändert uns, die Welt und die Art und Weise, wie wir auf Dinge blicken. Das gilt auch für das Thema Gesundheit im Zusammenhang mit Corona. Der Aspekt mentales Wohlbefinden ist so präsent wie nie zuvor. Aber auch unser Verständnis für physisches „gesund sein“ verändert sich zunehmend durch die Corona-Pandemie. Die Otto Trend Studie 2020 zeigt, wie groß der Wandel innerhalb der Gesellschaft ist.

Aspekt 1: Gesundheit während Corona bedeutet, handlungsfähig zu bleiben

Je unübersichtlicher das Weltgeschehen, desto eher tendieren wir dazu, uns stärker auf uns selbst zu verlassen. Denn unser unmittelbares Umfeld gibt uns Sicherheit und wir können Einfluss darauf nehmen, wie Dinge verlaufen. Sprich: Wir bleiben handlungsfähig. Das gelingt jedoch nur, wenn wir auch leistungsfähig sind. Ein wichtiger Faktor gerade zu Zeiten von Corona ist unsere Gesundheit – mental, emotional und körperlich.

Aspekt 2: Bedeutung mentaler Gesundheit in Corona-Zeiten nimmt zu

69 Prozent der Deutschen sagen, dass die mentale Gesundheit durch die Coronakrise zu einem wichtigen Thema geworden ist.1

Die Coronakrise verändert unseren Blick auf das Thema Gesundheit, das Verständnis wird ganzheitlicher. Die Frage, wie wir unsere mentale Gesundheit erhalten und stärken, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Kein Wunder, wird die Pandemie – je länger sie andauert – für viele zu einer emotionalen und mentalen Belastungsprobe. Das hat zur Folge, dass das Thema seelisches Wohl mehr in den Fokus rückt.

Aspekt 3: „Nicht krank sein“ wird anders gewichtet

63 Prozent der Deutschen sagen, dass sie durch die Coronakrise mehr auf ihre Gesundheit achten.1

Das Corona-Virus hat unseren Blick auf das Thema „krank sein“ ein Stück weit verändert. Eine Infektionskrankheit wie Grippe ist in der Regel zwar sehr unangenehm, aber zumeist nicht lebensbedrohlich. Durch das Coron-Virus hat „nicht krank sein“ eine ganz andere Bedeutung bekommen. Denn solch eine Viruserkrankung kann nicht nur sehr unangenehm sein, sondern auch riskanter – aufgrund von schweren Verläufen, aber auch weil wir merken, dass eine optimale medizinische Versorgung zu einem wertvollen Gut werden kann. Zudem zeigt sich: Die AHA-Regel, sprich Abstand halten und Alltagsmaske tragen, reduziert nicht nur das Risiko für eine Corona-Infektion, sondern auch allgemein für Atemwegserkrankungen2.

Aspekt 4: Die Chance, etwas Positives aus der Corona-Krise ziehen

Unser Alltag wurde während der Pandemie vollkommen neu strukturiert. Viele von uns saßen oder sitzen in improvisierten Homeoffice-Lösungen. Neben uns vielleicht die Kinder, die versuchen, dem Homeschooling gerecht zu werden. In solch einem Umfeld so leistungsfähig zu sein wie unter „normalen“ Umständen, fällt vielen schwer. Selbstfürsorge (Self Care) ist das Stichwort, um in diesen Zeiten eben diese Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Aber auch, um körperlich und mental gesund durch die Pandemie zu kommen. Und noch etwas kann Selbstfürsorge bewirken: Sie kann uns helfen, Resilienz aufzubauen und gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Tipps, wie Sie Ihre mentale und körperliche Gesundheit (nachhaltig) stärken können und was sich hinter dem Begriff Resilienz verbirgt, lesen Sie in unserem Artikel „Resilienz stärken: während Corona und darüber hinaus.

Quellen:

1.      Otto Group GmbH & Co. KG, Otto Group Trendstudie 2020 „Bewusster leben. Konsumethik im Zeichen des Klimawandels und der Covid-19-Pandemie“, abrufbar unter: https://static.ottogroup.com/media/docs/de/trendstudie/Otto-Group-Trendstudie-zum-ethischen-Konsum-2020.pdf (Stand 21.01.2021)

2.      Barmer in Schleswig-Holstein, Pressemitteilung: AHA-Regeln zeigen nachweislich Wirkung – Weniger Atemwegserkrankungen als im Jahr 2019, abrufbar unter: www.barmer.de/presse/bundeslaender-aktuell/schleswig-holstein/archiv-pressemitteilungen/atemwegserkrankungen-aha-regeln-corona–266900 (Stand 21.01.2021)

Spazieren Sie sich gesund

Spazieren Sie sich gesund

Wanderweg durch die Natur
Quelle: Achim Bongard via Pexels

Spazieren gehen ist nur etwas für gutes Wetter? Von wegen! Spazieren gehen ist gesund und tut uns zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter gut. Schon kleinere Runden reichen aus, um die körperliche und mentale Gesundheit positiv zu beeinflussen – während der Corona-Pandemie, in der soziale Kontakte und Außer-Haus-Aktivitäten Mangelware sind, aber auch im ganz normalen Alltag. Hier kommen fünf gute Gründe, täglich einen (kleinen) Spaziergang zu machen.

Grund 1: Spazieren gehen hilft, die Vitamin D-Produktion anzukurbeln

Unser Körper benötigt D-Vitamin für den Stoffwechsel, das Immunsystem und den Knochenaufbau. Doch damit wir das Vitamin produzieren können, braucht es Sonnenlicht. Menschen, die im Sommer viel draußen sind, decken ihren Bedarf während dieser Jahreszeit von ganz alleine. Schon zehn bis dreißig Minuten Tageslicht reichen aus – je nach Hauttyp. Im Winter schaffen wir das in unseren Breitengraden hingegen nicht. Der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen ist selbst mittags zu flach, um die Vitamin D-Synthese anzukurbeln.1 Dann helfen Vitamin D-Tabletten. Warum es sich dennoch lohnt, im Winter jede Gelegenheit für einen Spaziergang zu nutzen, zeigen Ihnen die Gründe 2 bis 5.

Grund 2: Spazieren gehen senkt den Stresspegel

Stehen wir unter Stress, bildet der Körper verstärkt das Hormon Cortisol. Hält der Stress nur kurzzeitig an, können wir das Ungleichgewicht an Hormonen gut ausgleichen. Wird der Stress jedoch chronisch, leiden wir unter dauerhaft erhöhten Cortisolwerten. Diese wiederum können eine Reihe von Erkrankungen begünstigen, wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Störungen und Depressionen. Eine Studie der US-amerikanischen Universität Michigan zeigt, dass bereits 20 bis 30 Minuten im Grünen ausreichen, um den Cortisolspiegel im Körper zu senken. Idealweise eignet sich ein Wald als Umgebung. Wenn Sie diesen nicht vor der Tür haben, reicht aber auch ein Park oder der eigene Garten.

Grund 3: Spazieren gehen kurbelt den Kreislauf an und stärkt das Immunsystem

Durch regelmäßiges Spazieren gehen stärken wir unser Herz-Kreislaufsystem. Es wird mehr Blut durch die Gefäße gepumpt, was wiederum unsere Ausdauer verbessert. Auch auf das Immunsystem wirkt sich die Bewegung positiv aus, da der Stoffwechsel angekurbelt wird. Zudem hält die frische Luft unsere Schleimhäute feucht, was besonders im Winter von großer Bedeutung ist. Denn die warme Heizungsluft trocknet die Schleimhäute schnell aus. Dadurch wiederum kann sie die Reinigungs- und Schutzwirkung nicht mehr ausreichend erfüllen und Krankheitserreger gelangen leichter in den Körper.

Grund 4: Spazieren gehen sorgt für gute Laune und klare Gedanken

Bewegung an der frischen Luft entspannt Muskeln und Nerven. Wir kommen zur Ruhe, der Blutdruck sinkt. Das wiederum sorgt auch für bessere Laune und kann uns sogar dabei helfen, in Stressmomenten einen klaren Gedanken zu fassen. Auch wenn wir in einer Sache partout nicht weiterkommen, kann ein Spaziergang förderlich sein. Oft bringt er uns auf ganz neue Ideen.

Grund 5: Spazieren gehen steigert die Konzentration

Sitzen wir lange in geschlossenen Räumen, sorgt das für stickige Luft. Das beeinträchtigt unsere Konzentration negativ. Zwar könnten wir einfach ein Fenster öffnen, viel effektiver ist jedoch ein kurzer Spaziergang. Denn dieser versorgt unser Gehirn nicht nur für Sauerstoff, er hilft uns auch, auf andere Gedanken zu kommen und abzuschalten. Auch das fördert die Konzentrationsfähigkeit.

1: Quellen:

Hahn A et al. Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage 2015

Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE (2014), Vitamin D- Das Mangelvitamin in der Schweiz. Abgerufen von https://www.sge-ssn.ch/media/tabula-3-14-d-report.pdf

IMD Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam GbR, Vitamin D – Update und Geschichte. Abgerufen von https://www.imd-berlin.de/fileadmin/user_upload/Diag_Info/274_Vitamin_D.pdf

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Wie Blockchain die Lebensmittelsicherheit erhöht

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Quelle: Launchpresso via Pexels

Vergammelte Wurst, verunreinigte Milch und unerwünschte Bakterien in Käse – immer wieder tauchen solche Schlagzeilen über Lebensmittelskandale in den Medien auf. Der letzte große Skandal liegt nur wenige Monate zurück: Die mit Listerien verseuchten Wurstwaren des Unternehmens Wilke. Ein häufiges Problem bei solchen Skandalen ist, dass sich die einzelnen Kompetenten der Produkte nur schwer nachvollziehen lassen. Abhilfe kann die Blockchain-Technologie schaffen.

Blockchain. Diesen Begriff kennen viele vermutlich eher aus dem Bereich Kryptowährung, etwa Bitcoin. Doch schaut man sich genauer an, was sich hinter dem Begriff überhaupt verbirgt, wird schnell klar: Die Blockchain-Technologie kann in vielen Branchen zum Einsatz kommen.

Was steckt hinter dem Begriff Blockchain?

Eine Blockchain ist vergleichbar mit einer öffentlich einsehbaren Datenbank. In einer Cloud sind alle Informationen dezentral aber verschlüsselt gespeichert. Dort lassen sie sich verarbeiten, teilen und verwalten. Teilnehmer erweitern sie ständig mit neuen Informationen. Dadurch entstehen einzelne Datenblocks. Jeder neue Datensatz, der eingespeist wird, autorisiert die zuvor eingepflegten Informationen. Ist ein Block gefüllt, wird ein neuer erzeugt. So entsteht quasi eine Kette mit Datensätzen (Blockchain = Blockkette).

Vorteile der Blockchain-Technologie

  • Dezentral und offen – aber verschlüsselt: Das ganze System verteilt sich auf mehrere Stellen (dezentral). Es gibt keine Kontrollinstanz, die über allem steht. Alle Akteure haben die gleichen Rechte und können alle Informationen einsehen.
  • Unveränderbar: Einmal in die Datenbank eingepflegte Informationen können nachträglich nicht einzeln aus der Kette gelöscht oder geändert werden. Greift jemand in die Kette ein, werden alle nachfolgenden Transaktionen automatisch mit gelöscht. Eine Manipulation ist fast unmöglich.
  • Austausch in Echtzeit: Jeder Teilnehmer der Kette ist zu jedem Zeitpunkt auf dem aktuellsten Stand der Dinge.

Anwendungsbeispiel Erdbeerjoghurt: Vom Rohstoff zum Konsumenten

  • Wir kaufen einen Joghurt in einem Supermarkt, Geschmacksrichtung Erdbeere. Ein Blick auf das Etikett verrät, dass der Joghurt längst nicht nur aus Milch und Erdbeeren besteht. Die Liste ist lang. Zucker, künstliche Aromen, Stabilisatoren, … Das Unternehmen Musterland mischt alles zusammen und füllt den Joghurt ab. Doch wo die einzelnen Zutaten und Zusätze herkommen, ist nicht vermerkt.
  • Hier kann die Blockchain-Technologie helfen. Alle Akteure, die an der Herstellung und dem Vertrieb des Joghurts beteiligt sind, speisen Daten in eine dezentrale, cloudbasierte Datenbank ein. Von Lieferanten, Produzenten, Logistikern bis hin zu Groß- und Einzelhändlern.
  • Der Produzent der Erdbeeren legt beispielsweise (verpflichtend) Informationen zur Erdbeerart, zum Anbau und zur Ernte digital in einem „Block“ ab. Ein weiterer Datensatz entsteht beim Landwirt, der die Milch liefert. Auch die Produzenten erstellen einen Datensatz, ebenso wie die Verpacker. So entsteht eine Kette an Informationen, was die Erdbeerjoghurt-Herstellung transparent macht.

Einfachere Spurensuche bei Rückrufen

Nun zeigt sich, dass eine hohe Anzahl an Keimen im Joghurt ist. Es kommt zu einer Ruckrufaktion des Produkts. eispielsweise weil eine hohe Anzahl an Keimen festgestellt wurden, ist es deutlich einfacher, die Problemquelle zu identifizieren. Kam es zu Lücken in der Kühlkette? Wenn ja, an welcher Stelle? Welche Landwirte haben wie viel Milch für die Charge Joghurt geliefert? So lassen sich beispielsweise gezielt Proben und Nachweise über interne Kontrollen abfragen.

Aber auch zur Verbesserung von Prozessen und Steigerung der Produktionseffizienz kann Blockchain beitragen. Wer weiß, an welchen Stellen es hapert, kann gezielt Dinge verändern – und so Kosten sparen. Ein weiterer Punkt: Daten werden in Echtzeit übertragen, schnellere Abwicklungen sind möglich.

Auch für Verbraucher interessant

Und die Verbraucher? Auch die können von der Technologie profitieren. Dafür müssen sie jedoch die Möglichkeit bekommen, die Kette ebenfalls transparent einzusehen. Wo kommt das Essen? Unter welchen Bedingungen wurden Rohstoffe produziert? Wie lange ist ein Produkt von A nach B unterwegs? All das sind Aspekte, mit denen sich immer mehr Menschen bewusst auseinandersetzen und dementsprechend auch ihr Kaufverhalten anpassen.

Ein Blick in die Zukunft

Erste Unternehmen im Lebensmittelsektor setzen die Blockchain-Technologie bereits ein. Beispielsweise der französische Supermarktriese Auchan. Er nutzt es, um die Nahrungsmittellieferungen in mehreren Ländern besser nachvollziehen zu können. Und laut einer Studie des Capgemini Research Institutes könnte Blockchain in der Lebensmittelbranche bereits 2025 allgegenwärtig und massenkompatibel sein. Denn für alle Unternehmen sind Rückverfolgbarkeit, Transparenz und die Verfügbarkeit von Daten wichtige Aspekte im täglichen Geschäft.

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Quelle: Maria Lindsey

Übergewicht im Kindesalter

 

40 Millionen Kinder weltweit unter fünf Jahren sind übergewichtig oder fettleibig – diese alarmierenden Zahlen gehen aus dem kürzlich vorgestellten UNICEF-Report hervor. Das betrifft auch viele Kinder hierzulande: Laut einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) aus 2018 ist etwa jedes siebte Kind zu dick oder sogar fettleibig. UNICEF und auch Verbraucherorganisationen wie Foodwatch fordern unter anderem, die Industrie im Kampf gegen Übergewicht stärker in die Verantwortung zu ziehen – so wie es andere Länder bereits machen.

Sportlich, schlank, gutaussehend: Schenken wir den Bildern auf Instagram glauben, besteht die Welt fast nur aus eben solchen Menschen. Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Wir leben in einer Welt, in der immer mehr Menschen mit Übergewicht und Adipositas zu kämpfen haben. Auch hierzulande spielt das Thema eine große Rolle – und das oft schon bei den Kleinsten. Laut einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts sind 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig. Fast sechs Prozent (5,9 Prozent) davon haben Adipositas.

 

Nicht nur der Faktor Essen schürt Übergewicht

Für viele ist klar: Übergewichtig wird, wer viel fett- und zuckerreiches Essen zu sich nimmt und sich nicht oder kaum körperlich bewegt. Das stimmt, aber nicht nur. Wissenschaftler im Forschungsverbund PreVENT fanden heraus, dass Übergewicht besonders häufig in Familien mit geringer Bildung auftritt – bedingt durch ein ungünstiges Essverhalten. Gründe hierfür können weniger zur Verfügung stehendes Geld sein, aber auch mangelndes Wissen darüber, was überhaupt eine gesunde Ernährung ausmacht. Laut Prof. Dr. Manfred Müller vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde in Kiel stellt gerade eine geringe Bildung demnach oftmals eine Barriere für erfolgreiche Präventionsmaßnahmen dar. Auch Kinder von Alleinerziehenden und Kinder mit Migrationshintergrund haben ein erhöhtes Risiko, übergewichtig zu werden.

Weitere Faktoren, die aus der Erhebung hervorgehen:

  • Fernsehen, Computer, Smartphone und Co.: Sitzen Kinder mehr als eine Stunde vor dem Bildschirm, steigt das Risiko für Übergewicht.
  • Übergewichtige Eltern: Kinder und Jugendliche von übergewichtigen Eltern haben ein um bis zu 80 Prozent erhöhtes Risiko, auch übergewichtig zu werden. Hier spielen die biologischen Anlagen eine Rolle, aber auch der Ernährungs- und Lebensstil.
  • Übergewicht in der Schwangerschaft: Nehmen Frauen während der Schwangerschaft mehr als mehr als 17 Kilogramm zu, steigt das Risiko für späteres Übergewicht bei den Kindern.

 

Die Crux mit vermeidlich gesunden Kinderlebensmittel

Neben aktuellen Zahlen zur Lage der Ernährungssituation von Kindern weltweit, fordert UNICEF in seinem Report auch ganz konkret Regierungen, die Privatwirtschaft, Spender, Eltern, Familien und Unternehmen auf, sich zugunsten der Gesundheit von Kindern einzusetzen. Unter anderem …

  • … könne durch eine bessere Aufklärung über gesunde Ernährung und gesetzliche Regelungen wie Zuckersteuern die Nachfrage nach ungesunden Lebensmitteln gesenkt werden.
  • … könnten korrekte und leicht verständliche Label und strengere Kontrollen für das Marketing von ungesunden Lebensmitteln dafür sorgen, dass ein gesundes „Ernährungs-Umfeld“ für Kinder und Jugendliche geschaffen wird.

Das Thema Marketing von Kinderprodukten ist auch der Verbraucherorganisation Foodwatch seit Jahren ein Dorn im Auge. Sie sieht auch die Lebensmittelindustrie in der Mitverantwortung, Übergewicht bei Kindern zu vermeiden. Neun von zehn Lebensmitteln, die etwa mit Comicfiguren für Kinder beworben würden, seien „zu süß, zu fettig, zu salzig“ und entsprächen nicht den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für gesunde Kinderprodukte – so Foodwatch. Auch die Verbraucherzentrale und die Initiative In Form des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft weisen darauf hin, dass die meisten Kinderlebensmittel viel zu süß und fetthaltig sind, zudem oft Zusatzstoffe enthalten.

 

Politik vs. Lebensmittellobby

„Der freiheitliche Staat kann seine Bürger informieren, ihnen aber nicht die Entscheidung abnehmen, wie sie sich ernähren. Die Verantwortung für die eigene Gesundheit hat im Grunde jeder selbst.“ Das sagte der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt 2014 in einem Interview mit der Welt. Das sieht Foodwatch anders und fordert die Bundesregierung zu konkreten Maßnahmen auf – auch im Hinblick auf Kinderlebensmittel. Die Organisation fordert Werbebeschränkungen für ungesunde Kinderlebensmittel, eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben und eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke.

Doch warum tut sich die Regierung mit gesetzlichen Vorgaben so schwer? Das liegt auch an der starken Lebensmittellobby. In einem Interview sagt die WHO-Chefin Margret Chan: „Wenn die Industrie in politische Entscheidungsfindungen eingebunden ist – seien Sie sicher, dass die wirksamsten Regulierungsmaßnahmen heruntergespielt oder ganz verhindert werden.“ Auch die Linke äußerte sich zu dem Thema: „Die Regierung – und insbesondere der Verbraucherminister – (…) darf sich nicht länger von den Lobbyisten der Ernährungsindustrie die Ernährungspolitik diktieren lassen.“

 

0 Prozent Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse

Das es auch anders geht, zeigt ein Blick in unsere Nachbarländer. In einigen EU-Ländern gibt es bereits Werbebeschränkungen für zuckerhaltige Lebensmittel. Schweden etwa verbietet jegliche Werbung in Kinderprogrammen für unter Zwölfjährige.

Werbeeinschränkungen gibt es hierzulande zwar nicht, wohl aber Ideen, wie Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt unattraktiver gestaltet werden könnten – etwa durch eine reduzierte Mehrwertsteuer auf „gesunde“ Lebensmittel. Die Universität Hamburg analysierte im Rahmen einer Studie die Auswirkungen einer Besteuerung von „ungesunden“ oder „adipogenen“ Lebensmitteln, darunter sind solche mit hohem Fett-, Salz-, und Zuckeranteil zu verstehen, auf das Ernährungsverhalten in Deutschland. Das Fazit: Würde man Lebensmittel wie folgt versteuern, kann die Adipositasprävalenz reduziert werden:

  • Grün 0 %: Obst und Gemüse
  • Gelb 7 %: Normale Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch
  • Rot 19 %: Produkte mit viel zugesetztem Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten

Der NutriScore kommt – (k)ein Meilenstein?

Doch auch ganz konkret – und aktuell – tut sich etwas in Deutschland: Der NutriScore kommt! Wenn auch vorerst nur auf freiwilliger Basis – sprich, die Hersteller von Lebensmitteln entscheiden selbst, ob sie die Nährwertkennzeichnung auf die Produkte drucken. Der NutriScore erscheint auf der Vorderseite von Produkten und gibt den Verbrauchern eine schnelle Orientierung zu der Nährstoffzusammensetzung von Lebensmitteln  – dargestellt in den Ampelfarben rot, gelb und grün. Rot steht eine ungünstige Zusammensetzung, gelb für „in Ordnung“ und grün für gut.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, reagiert mit der Einführung auf die Ergebnisse einer unabhängigen Verbraucherforschung, die im Auftrag des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft durchgeführt wurde. Der Wunsch der Verbraucher nach mehr Sicherheit und Transparent beim Kauf von Lebensmitteln – das zeigen die Ergebnisse – ist groß, heißt es in einer Pressemitteilung des BMEL.

Frau Klöckner betitelt diesen Schritt als „(…) Meilenstein in der Ernährungspolitik.“. Das erweiterte Nährwertkennzeichnungsmodell allein werde das Übergewichtsproblem nicht lösen, so Klöckner, aber es sei ein Baustein von vielen, die zur gesunden Ernährung beitrügen.

 

Jeder darf sich selbst ein Urteil darüber bilden, ob ein freiwilliges Einführen eines Nährwertkennzeichnungsmodells der Betitelung „Meilenstein“ würdig ist. Welcher Lebensmittelhersteller druckt freiwillig einen NutriScore auf ein Produkt, der uns mit rot eindeutig zeigt, dass das Produkt weniger gesund ist? Insbesondere, wenn er das Produkt als vermeidlich gesund deklariert – etwa ein Joghurt, bei dem mit ganz viel guter Milch geworben, der hohe Zuckergehalt jedoch verschwiegen wird? Auf der anderen Seite ist der NutriScore ein super Marketinginstrument. Schaut her, mein Kinderjoghurt ist gar nicht so schlecht, wie immer angeprangert! Er trägt ein hellgrünes „B“! Der Zuckergehalt ist zwar sehr hoch, dafür jener von Fett und Salz gering. Die Mischkalkulation ergibt ein B – also okay.

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