Warum plötzlich jeder Urlaub in der Natur machen möchten

 

„Ich mache einen Wanderurlaub!“ Diese Worte hörten wir früher wohl eher aus den Mündern unserer Großeltern und runzelten dabei die Stirn. Ich hatte zumindest lange Zeit beim Thema Wandern beige Einheitskleidung, klobige Schuhe mit Wollsocken und die pure Spießigkeit vor Augen. Und heute? Reihe ich mich ein und gehe wie viele meiner Freunde… Ja, wandern.

Sao Lorenco. Wandern auf Madeira

Das Einzige, das ich jahrelang mit Wandern am Hut hatte, war der Wandertag in der Schule. Ich bin am Meer aufgewachsen, also ging es meist an den Strand. Auch meine Urlaube verbrachte ich am liebsten im warmen Süden – schließlich bekommt man als Norddeutscher sonst nicht genug Sonnenlicht ab. So ging es für mich in der Kindheit häufig nach Dänemark, Spanien, später auch nach Griechenland und Brasilien. Die Berge interessierten mich nicht. Bis ich mit Anfang 30 das Skifahren für mich entdeckte, im Lift saß und ein Schild erblickte, auf dem stand: „Ahorn, der Genießerberg, auch im Sommer ein Highlight!“ Das war der Beginn einer neuen Leidenschaft.

 

Wandern ist zum Trend geworden

Aber nicht nur ich erwärme mich für Wanderungen durch die Natur. Laut des Deutschen Wanderverbands gehen etwa 50 Millionen Menschen in Deutschland wandern (Stand 2016). Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, kann ich das nur bestätigen. Ob kleine Tagesausflüge in die Fischbeker Heide in Hamburg oder richtige Wandertouren durch die Alpen: Meine Freunde sind ebenfalls auf den Geschmack gekommen – so wie unzählige Hipster und Influencer, die sich in den sozialen Medien in Wanderkleidung in Szene setzen. Wenn man bei Instagram #wandern eingibt, erhält man über 1,5 Millionen Treffer, für den englischen Begriff #hiking sogar 35 Millionen (Stand: 10. Juli 2018), #wandernmithund nahezu 20.000 und #wandernmitkindern fast 8.000.

 

Aber warum finden wir es plötzlich so schön, durch die Natur zu streifen, statt im Hotel am Pool zu liegen?

  1. Die Natur gilt als Stresskiller. Statt sich mit anderen um die beste Liege am Pool und die letzten Nudeln am Buffet zu streiten, sehnen wir uns nach Ruhe – das gilt besonders für Menschen, die in Großstädten leben. Sich bewegen, an der frischen Luft die Landschaft zu genießen und sich am Ende der Wanderung mit einem deftigen Essen zu belohnen, das entspannt und lädt unseren Akku wieder auf.
  2. Wir wollen raus aus der Stadt. Ja, die Großstadt hat einiges zu bieten, aber die vielen Menschen, der ständige Verkehr, der Lärm und die schmutzige Luft können auch manchmal ganz schön nerven. Viele sehnen sich dann nach Ruhe und Natur.
  3. Morgens um 10 Uhr an den Strand, sonnen, schwimmen, sonnen, schwimmen. So sah in jüngeren Jahren für viele von uns der Urlaubsalltag aus. Ich höre heute von vielen: „Das kann ich nicht mehr, so lange liegen, ich muss mich im Urlaub mal mehr bewegen.“ So geht es mir auch. Ich möchte etwas erleben. In meinem Job sitze ich den ganzen Tag am Schreibtisch. In meinem Urlaub brauche ich ein bisschen Action. Wandern ist eine tolle Mischung. Wer sich verausgaben möchte, wählt die schwarzen (schweren) Routen, wer es gemütlich mag, die blauen (einfachen) und für wen ein bisschen Anstrengung kein Problem hat, begibt sich auf die roten (mitteleschweren) Wege.
  4. Wandern ist gesund: Studien, wie eine der Universität Halle-Wittenberge, belegen die positiven Eigenschaften des Wanderns auf unsere Gesundheit. Wer nicht gerade alpine Bergtouren bestreitet, sondern moderat wandert, treibt mit einer Herzfrequenz Sport, die die Ausdauer verbessert und die Fettverbrennung anregt. Unebene Wege trainieren die gesamte Muskulatur des Körpers und verbessern das Gleichgewicht. Sind auf den Routen immer mal wieder Anstiege, ist dies ein perfektes Intervalltraining und die Natur versorgt unsere Lungen zusätzlich mit sauberer Luft.
  5. Einfach mal etwas Anderes machen. Die Strände Europas habe ich fast alle bereist. Ich brauche einfach mal Abwechslung. Also habe ich damit begonnen, im Hamburger Umland „Probewanderungen“ zu machen – und hatte erstaunlich viel Spaß dabei, sodass wir uns im letzten Urlaub tatsächlich, zusammen mit den erfahrenen Wandersleuten, auf den Weg über Stock und Stein machten.

 

Nicht bei der Ausstattung sparen

Wer jetzt denkt, dass auch ich in Einheitsbeige durch die Gegend stapfe, irrt. Ja, ich habe mir Wanderstiefel gekauft – solche, die auch schön die Knöchel stützen. Diese sind jedoch farbig und somit gar nicht langweilig. Dafür aber unheimlich bequem und wirklich nützlich. Ansonsten reicht – meiner Meinung nach – normale Sportkleidung. Wer in die Berge fährt, sollte allerdings überlegen, sich eine praktische Zip-Multifunktionshose zu kaufen. Diese kann nämlich je nach Wetterlage schnell von einer langen in eine kurze Hose umgewandelt werden. Auch Fleece- oder Softshelljacken können an kühleren Tagen oder bei plötzlichen Wetterumschwüngen eine große Hilfe sein.

 

Darf es etwas mehr als eine Wanderung sein?

Ihr möchtet das Abenteuer Wandern ausprobieren, traut euch aber nicht so recht oder wollt statt eines Tagesausflugs längere Strecken mit Übernachtungen hinter euch bringen? Dann holt euch Inspirationen. In dem Buch Mikroabenteuer von Christo Foerster gibt es Tipp für Outdoor-Aktivitäten vor der Haustür.

 

Tipp: Apps – per GPS die schönsten Ecken entdecken

„Wo soll ich denn bei mir um die Ecke wandern gehen?“ Das fragen sich wahrscheinlich viele, die nicht gerade in den Alpen, im Harz oder im Elbsandsteingebirge wohnen. Es gibt verschiedene Apps, die tolle Routen in jeder Umgebung vorschlagen – mit Längen- und Zeitangeben und Hinweisen auf die Schwierigkeit.

Ich gehe immer mit „Komoot“ wandern. Die wichtigsten Funktionen dieser App sind kostenlos und sie funktioniert auch im Ausland. Du kannst Wanderungen zwischen 30 Minuten und acht Stunden Länge auswählen, zwischen einfach, mittelschwer und schwer. Auf einer Karte kannst du dann während der Tour verfolgen, wo du dich gerade befindest – auch ohne Internetverbindung. Die App kann zudem Routen planen, wenn du gerne von A nach B wandern möchtest.

Weitere Apps:

MapOut (5,49 Euro im AppStore): In dieser App kannst du dir deine Routen in der 3D-Karte selbst einzeichnen. Sie funktioniert auch offline und hebt Sehenswürdigkeiten hervor.

Bergfex Touren & GPS Tracking (iOS und Android, kostenlos): Hier kannst du zwischen verschiedenen Sportarten wählen und erhältst dann passende Tourenvorschläge – in der PRO-Version auch mit Offline-Karten.

Probiert einfach mal aus, welche App euch zusagt und gebt uns gerne ein Feedback!