Wandern ist des Hipsters Lust

Wandern ist des Hipsters Lust

Warum plötzlich jeder Urlaub in der Natur machen möchten

 

„Ich mache einen Wanderurlaub!“ Diese Worte hörten wir früher wohl eher aus den Mündern unserer Großeltern und runzelten dabei die Stirn. Ich hatte zumindest lange Zeit beim Thema Wandern beige Einheitskleidung, klobige Schuhe mit Wollsocken und die pure Spießigkeit vor Augen. Und heute? Reihe ich mich ein und gehe wie viele meiner Freunde… Ja, wandern.

Sao Lorenco. Wandern auf Madeira

Das Einzige, das ich jahrelang mit Wandern am Hut hatte, war der Wandertag in der Schule. Ich bin am Meer aufgewachsen, also ging es meist an den Strand. Auch meine Urlaube verbrachte ich am liebsten im warmen Süden – schließlich bekommt man als Norddeutscher sonst nicht genug Sonnenlicht ab. So ging es für mich in der Kindheit häufig nach Dänemark, Spanien, später auch nach Griechenland und Brasilien. Die Berge interessierten mich nicht. Bis ich mit Anfang 30 das Skifahren für mich entdeckte, im Lift saß und ein Schild erblickte, auf dem stand: „Ahorn, der Genießerberg, auch im Sommer ein Highlight!“ Das war der Beginn einer neuen Leidenschaft.

 

Wandern ist zum Trend geworden

Aber nicht nur ich erwärme mich für Wanderungen durch die Natur. Laut des Deutschen Wanderverbands gehen etwa 50 Millionen Menschen in Deutschland wandern (Stand 2016). Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, kann ich das nur bestätigen. Ob kleine Tagesausflüge in die Fischbeker Heide in Hamburg oder richtige Wandertouren durch die Alpen: Meine Freunde sind ebenfalls auf den Geschmack gekommen – so wie unzählige Hipster und Influencer, die sich in den sozialen Medien in Wanderkleidung in Szene setzen. Wenn man bei Instagram #wandern eingibt, erhält man über 1,5 Millionen Treffer, für den englischen Begriff #hiking sogar 35 Millionen (Stand: 10. Juli 2018), #wandernmithund nahezu 20.000 und #wandernmitkindern fast 8.000.

 

Aber warum finden wir es plötzlich so schön, durch die Natur zu streifen, statt im Hotel am Pool zu liegen?

  1. Die Natur gilt als Stresskiller. Statt sich mit anderen um die beste Liege am Pool und die letzten Nudeln am Buffet zu streiten, sehnen wir uns nach Ruhe – das gilt besonders für Menschen, die in Großstädten leben. Sich bewegen, an der frischen Luft die Landschaft zu genießen und sich am Ende der Wanderung mit einem deftigen Essen zu belohnen, das entspannt und lädt unseren Akku wieder auf.
  2. Wir wollen raus aus der Stadt. Ja, die Großstadt hat einiges zu bieten, aber die vielen Menschen, der ständige Verkehr, der Lärm und die schmutzige Luft können auch manchmal ganz schön nerven. Viele sehnen sich dann nach Ruhe und Natur.
  3. Morgens um 10 Uhr an den Strand, sonnen, schwimmen, sonnen, schwimmen. So sah in jüngeren Jahren für viele von uns der Urlaubsalltag aus. Ich höre heute von vielen: „Das kann ich nicht mehr, so lange liegen, ich muss mich im Urlaub mal mehr bewegen.“ So geht es mir auch. Ich möchte etwas erleben. In meinem Job sitze ich den ganzen Tag am Schreibtisch. In meinem Urlaub brauche ich ein bisschen Action. Wandern ist eine tolle Mischung. Wer sich verausgaben möchte, wählt die schwarzen (schweren) Routen, wer es gemütlich mag, die blauen (einfachen) und für wen ein bisschen Anstrengung kein Problem hat, begibt sich auf die roten (mitteleschweren) Wege.
  4. Wandern ist gesund: Studien, wie eine der Universität Halle-Wittenberge, belegen die positiven Eigenschaften des Wanderns auf unsere Gesundheit. Wer nicht gerade alpine Bergtouren bestreitet, sondern moderat wandert, treibt mit einer Herzfrequenz Sport, die die Ausdauer verbessert und die Fettverbrennung anregt. Unebene Wege trainieren die gesamte Muskulatur des Körpers und verbessern das Gleichgewicht. Sind auf den Routen immer mal wieder Anstiege, ist dies ein perfektes Intervalltraining und die Natur versorgt unsere Lungen zusätzlich mit sauberer Luft.
  5. Einfach mal etwas Anderes machen. Die Strände Europas habe ich fast alle bereist. Ich brauche einfach mal Abwechslung. Also habe ich damit begonnen, im Hamburger Umland „Probewanderungen“ zu machen – und hatte erstaunlich viel Spaß dabei, sodass wir uns im letzten Urlaub tatsächlich, zusammen mit den erfahrenen Wandersleuten, auf den Weg über Stock und Stein machten.

 

Nicht bei der Ausstattung sparen

Wer jetzt denkt, dass auch ich in Einheitsbeige durch die Gegend stapfe, irrt. Ja, ich habe mir Wanderstiefel gekauft – solche, die auch schön die Knöchel stützen. Diese sind jedoch farbig und somit gar nicht langweilig. Dafür aber unheimlich bequem und wirklich nützlich. Ansonsten reicht – meiner Meinung nach – normale Sportkleidung. Wer in die Berge fährt, sollte allerdings überlegen, sich eine praktische Zip-Multifunktionshose zu kaufen. Diese kann nämlich je nach Wetterlage schnell von einer langen in eine kurze Hose umgewandelt werden. Auch Fleece- oder Softshelljacken können an kühleren Tagen oder bei plötzlichen Wetterumschwüngen eine große Hilfe sein.

 

Darf es etwas mehr als eine Wanderung sein?

Ihr möchtet das Abenteuer Wandern ausprobieren, traut euch aber nicht so recht oder wollt statt eines Tagesausflugs längere Strecken mit Übernachtungen hinter euch bringen? Dann holt euch Inspirationen. In dem Buch Mikroabenteuer von Christo Foerster gibt es Tipp für Outdoor-Aktivitäten vor der Haustür.

 

Tipp: Apps – per GPS die schönsten Ecken entdecken

„Wo soll ich denn bei mir um die Ecke wandern gehen?“ Das fragen sich wahrscheinlich viele, die nicht gerade in den Alpen, im Harz oder im Elbsandsteingebirge wohnen. Es gibt verschiedene Apps, die tolle Routen in jeder Umgebung vorschlagen – mit Längen- und Zeitangeben und Hinweisen auf die Schwierigkeit.

Ich gehe immer mit „Komoot“ wandern. Die wichtigsten Funktionen dieser App sind kostenlos und sie funktioniert auch im Ausland. Du kannst Wanderungen zwischen 30 Minuten und acht Stunden Länge auswählen, zwischen einfach, mittelschwer und schwer. Auf einer Karte kannst du dann während der Tour verfolgen, wo du dich gerade befindest – auch ohne Internetverbindung. Die App kann zudem Routen planen, wenn du gerne von A nach B wandern möchtest.

Weitere Apps:

MapOut (5,49 Euro im AppStore): In dieser App kannst du dir deine Routen in der 3D-Karte selbst einzeichnen. Sie funktioniert auch offline und hebt Sehenswürdigkeiten hervor.

Bergfex Touren & GPS Tracking (iOS und Android, kostenlos): Hier kannst du zwischen verschiedenen Sportarten wählen und erhältst dann passende Tourenvorschläge – in der PRO-Version auch mit Offline-Karten.

Probiert einfach mal aus, welche App euch zusagt und gebt uns gerne ein Feedback!

Food Trend „Levante-Küche“: Aromen aus dem Nahen Osten

Food Trend „Levante-Küche“: Aromen aus dem Nahen Osten

Baharat, Kumin, Zatar, Sumach – na, klingelts bei dir? Nicht? Gar nicht schlimm, denn spätestens nach diesem Beitrag hältst du danach beim nächsten Einkauf bestimmt Ausschau. So viel sei gesagt: Es hat mit Essen zu tun. Genauer mit der Levante-Küche. Sie erfährt derzeit einen wahren Boom. Und das zu Recht: Die Gerichte sind Aromabomben, die deine Geschmacksknospen verwöhnen und dem tristen Essensallerlei neues Leben einhauchen – und das ohne großen Zubereitungsaufwand. Auch ich bin ihr verfallen.

Spanische Tapas waren gestern. Heute kommen orientalische Mezze auf den Tisch, das aktuelle Trend-Pedant zu Oliven, Calamari und Co. Wie bei Tapas handelt es sich auch hierbei um kleine Speisen, die wir bevorzugt in geselliger Runde genießen – so der Grundgedanke von Mezze. Traditionell israelische Gerichte werden mit arabischen Speisen kombiniert und ergeben ein frisches, aromatisches Geschmackserlebnis. Das Ganze nennt sich dann Levante-Küche.

 

Levante – Länder des östlichen Mittelmeers

Aufgehend – dafür steht das französische Wort levante. Es wird gerne auch sinnbildlich für das Morgenland genommen und bezeichnet die Länder des östlichen Mittelmeers, genauer Israel, Syrien, Jordanien und der Libanon. Die Levante-Küche ist demnach ein kulinarisches Zusammenkommen der verschiedenen Essenskulturen dieser Länder.

 

Lecker, leger und sehr aromatisch

Der Hauptakteur der Levante-Küche ist Gemüse. Besonders Blumenkohl und Aubergine kommen bei vielen Gerichten zum Einsatz. Durch Kräuter wie Minze und orientalische Gewürze und Gewürzmischungen wie Kumin, Baharat, Zatar und Sumach sind sie alles andere als fad und langweilig. Auch Hülsenfrüchte wie Kichererbsen sowie Bulgur und Couscous spielen eine wichtige Rolle in dieser Küche.

 

Fünf typische Gerichte, Dips und Pasten

Eine der bekanntesten Gerichte ist die Falafel, frittierte Bällchen aus Kichererbsen mit Petersilie, Kreuzkümmel, Knoblauch und Zwiebeln. Mehr Wumms bekommen die Falafel, wenn ihr Harissa, eine scharfe Gewürzpaste, hinzu gebt (Rezept im Kasten). Perfekt für warme Sommertage ist Tabouleh, ein Salat aus Bulgur, viel Petersilie, Tomaten, Gurke, Minze und Zitronensaft.

Was auf gar keinen Fall fehlen darf, sind Dips und Pasten. Dazu gibt es frisches Fladenbrot. Ein Klassiker schlechthin ist Hummus, eine Paste aus Kichererbsen, Zitronensaft, Knoblauch, Kreuzkümmel und Sesampaste (Tahin). Den Hummus könnt ihr super mit etwas Chili-Paste aufpeppen. Auch Baba Ghanpoush,  ein Püree aus Auberginen, Sesampaste und Zitronensaft, eignet sich perfekt zum Dippen.

Wer es lieber warm mag, der sollte das israelische Nationalgericht Shakshuka ausprobieren. In eine Tomatensoße mit Zwiebeln, Paprika, Chili und Gewürzen wie Kreuzkümmel gesellen sich pochierte Eier. Dazu gibt es: Fladenbrot.

 

Levante-Küche: Gesund, ohne „gesund“ zu schmecken

Wer aufmerksam gelesen hat, der merkt: Die Küche ist nicht nur lecker, sondern durch das viele Gemüse und die Hülsenfrüchte auch sehr gesund – und ideal für Vegetarier geeignet. Doch auch Fleischliebhaber brauchen keine Angst vor Eintönigkeit zu haben. Ein aus verschiedenen kleinen Mezze zusammengestelltes Gericht braucht kein Schnitzel und keine Bratwurst. Genießt einfach die verschiedenen Geschmäcker, ihr werdet begeistert sein.

Neben dem „Healthy-Aspekt“ punktet die Küche auch mit der Zubereitung. Für die meisten Gerichte sind nur wenige Handgriffe nötig. Die Grundzutaten findet ihr in jedem gut sortierten Supermarkt. Baharat, Zatar und Co. bekommt ihr preiswert in orientalisch-arabischen Supermärkten. Ihr könnt die Gewürze und Mischungen auch online bestellen, beispielsweise bei Just Spices.

Tipp: Wer keine Lust auf das Suchen nach Rezepten im Internet hat, der sollte im Buchhandel mal nach den Kochbüchern von Yotam Ottolenghi Ausschau halten. Er hat mehrere vegetarische Kochbücher herausgebracht, allesamt mit Einflüssen aus der israelischen Küche. Ich selbst habe das „Genussvoll vegetarisch“. Mein Fazit: Bester Kauf überhaupt!

 

Rezept für Harissa-Falafel (ca. 12 Stück)

 

  • 200 g getrocknete Kichererbsen
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • ½ Bund Petersilie
  • 1 TL Harissa-Paste (bei Bedarf mehr)
  • Je 2 TL Koriander- und Kreuzkümmelpulver
  • 1 EL Zitrone
  • Salz und Pfeffer
  • 100 g Weizenmehl

 

  1. Kichererbsen in eine Schale geben und mit reichlich kaltem Wasser bedecken, 1,5 bis 2 Liter. 12 Stunden einweichen lassen. Danach abtropfen lassen.
  2. Petersilie waschen und grob hacken, ebenso die Zwiebeln und den Knoblauch.
  3. Kichererbsen, Petersilie, Zwiebeln und Knoblauch zusammen mit der Harissa-Paste, dem Koriander- und Kreuzkümmelpulver, etwas Salz und Pfeffer, dem Mehl sowie 1 EL Zitronensaft in einen Mixer geben. Alles gut pürieren.
  4. Die Masse noch einmal abschmecken, eventuell mit Salz, Pfeffer oder Harissa nachwürzen.
  5. Hände anfeuchten und aus der Masse pflaumengroße Bällchen formen.
  6. Reichlich Sonnenblumenöl in einer Pfanne erhitzen (Die Bällchen sollten halb darin schwimmen). Die Falafel vorsichtig in das heiße Öl gleiten lassen und sie für drei bis vier Minuten frittieren, bis sie rundum schön goldgelb sind. Abtropfen lassen, warm servieren.
Slow Jogging – locker trabend die Gesundheit fördern?

Slow Jogging – locker trabend die Gesundheit fördern?

Wenn ich joggen gehe, dann gerne, wenn es regnet und dämmert. Das mache ich nicht, weil ich es dann so gemütlich finde. Vielmehr sind bei einem solchen Wetter kaum andere Menschen auf der Straße und ich kann ungestört durch die Gegend schleichen. Ja, joggen ist gut für das Herz-Kreislaufsystem und hält fit. Aber ehrlich gesagt: Ich bin nach 20 Minuten dermaßen aus der Puste, dass ich von dem gesundheitsfördernden Effekt wahrscheinlich gar nichts zu spüren bekomme.

 

Kleine Schritte, große Wirkung

Aber nun wurde auf der FIBO der neue Trend „Slow Jogging“ vorgestellt – und ich direkt hellhörig. Denn bei dieser Sportart geht es darum, sehr langsam durch die Gegend zu laufen, also immer im aeroben Bereich. Das bedeutet, dass die Läufer nur so schnell joggen, dass der Körper genug Sauerstoff aufnehmen kann, um die Muskeln zu versorgen. Es gilt quasi: Je langsamer, desto besser. Mindestens 180 Schritte pro Minute sollte der Jogger dabei machen. Das lässt sich ganz einfach mithilfe von Lauf-Apps, eines Fitnessarmbands oder eines Schrittzählers messen – bedarf aber ein wenig Übung.

 

Spezielle Lauftechnik üben

Ein weiterer Unterschied zum normalen, langsamen Joggen ist, dass die Läufer nicht mit der Ferse zuerst den Boden berühren und abrollen, sondern mit dem Mittelfuß. Das soll die Knie und die Wirbelsäule schonen, trainiert im Gegenzug aber die Waden- und Oberschenkelmuskulatur. Die Bewegungen sind anfangs sehr ungewohnt, daher raten Experten, langsam mit dem Training zu beginnen. Sprich: Eine Minute joggen, 30 Sekunden gehen – immer im Wechsel. Ziel sei es, am Ende eine Stunde am Stück zu schaffen. Eine Video-Anleitung vom Experten gibt es hier.

 

Immer schön lächeln

Der Erfinder dieses Trends, der japanische Professor Hiroaki Tanaka, sagt in dem Video auch, dass jeder automatisch fitter und schneller wird, wenn er regelmäßig Slow Jogging betreibt. Wichtig sei, so häufig wie möglich zu laufen – auch gerne mehrmals am Tag. Denn der Sport soll einen nicht verausgaben. Wichtig ist, dass wir uns dabei entspannt unterhalten, und wie Tanaka sagt, lächeln können.

Wer Slow Jogging längerfristig betreiben möchte, braucht zudem passende Schuhe. Klassische Laufschuhe eigenen sich nicht, da meist die Sohle an der Ferse aufgrund der starken Dämpfung zu dick ist. Besser sind Schuhe, die eine dünne, gleichmäßige Sohle haben. Und dann kann es schon losgehen.

 

Und wie ist es in der Praxis?

Ich habe es getan. Zugegeben, ich laufe weiterhin am liebsten im Regen bei Dämmerung, aber nach einer halben Stunde Slow Jogging fühlte ich mich echt gut. Ich habe Sport getrieben, ohne völlig aus der Puste zu sein, ich hatte keine Rückenschmerzen und merkte am nächsten Tag trotzdem den ein oder anderen scheinbar sehr untrainierten Muskel.

 

Auswirkungen von Slow Jogging auf die Gesundheit

Slow Jogging ist Thema vieler wissenschaftlicher Arbeiten und soll eine Sportart sein, mit der auch unsportliche Menschen mit wenig Mühe fit bleiben und abnehmen können. Es trainiert die Muskulatur, ohne die Herzfrequenz bis zum Anschlag zu treiben. Und genau das ist wichtig für ein gutes Grundlagenausdauertraining. Schon drei Stunden Slow Jogging pro Woche sollen den Experten zufolge Cholesterin- und Blutdruckwerte normalisieren können und sogar die Hirnleistung verbessern.

Fazit:

Gerade für Sportmuffel oder aber Menschen, die ohne ständige Anstrengung trainieren möchten, ist das Slow Jogging ein guter Einstieg. Hiroaki Tanaka hat es mit dieser Methode sogar geschafft, einen Marathon zu laufen. Das ist zwar nicht mein Ziel, aber sich an der frischen Luft zu bewegen und zwar so, dass nicht nach 20 Minuten die Luft raus ist, ist für mich auf jeden Fall ein Grund, das Slow Jogging ein wenig weiter zu verfolgen – auch wenn die anderen Menschen auf der Straße schon ein wenig verwundert gucken, wenn ich mit Mäuseschrittchen die Gehwege entlang „slow jogge“.

Superfood-Hype: Fälschungen per Barcode entlarven

Superfood-Hype: Fälschungen per Barcode entlarven

Chia, Goji, Moringa, Maca, Spirulina – wer sich gesund ernähren möchte, setzt heutzutage auf exotische Superfoods. Was vor ein paar Jahren als ein Trend begann, ist bei vielen längst fester Bestandteil der täglichen Ernährung. Doch es gibt einen Knackpunkt: Die Nachfrage nach den Samen, Früchten und Algen ist mittlerweile so hoch, dass immer mehr Plagiate und Fälschungen auf dem Markt auftauchen. Um dagegen vorzugehen, haben Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) genetische Barcodes entwickelt, mit denen sich unkompliziert bereits bei der Einfuhr prüfen lässt, ob es sich um Originalware handelt.

Vielen, die sich gesund ernähren möchten, reichen Obst, Gemüse und Co. alleine nicht mehr aus. Erst exotische Superfoods bringen sie auf ein nächstes Level in Sachen „Healthy Lifestyle“. Darauf reagieren auch große Handelsketten. Längst sind die Früchte, Samen und Algen auch in gut sortierten Supermärkten zu finden. Das macht sich auch in den Umsatzzahlen bemerkbar: Sie stiegen zwischen 2014 und 2016 in Deutschland von 1,5 Millionen Euro (MAT KW49 2014) auf unglaubliche 42,6 Millionen Euro (MAT KW48 2016) an. Da kommt unweigerlich die Frage auf: Kann überhaupt so viel Chia und Co. produziert werden, um den Superfood-Bedarf zu stillen?

 

Fälschungen. Ein Weg, um die hohe Nachfrage zu decken

Derzeit überprüft in Deutschland keine Behörde flächendeckend, ob in den Superfood-Verpackungen auch das drin ist, was draufsteht. Verantwortlich dafür ist bislang allein der Hersteller oder Händler.

Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach bestimmten Superfoods teilweise so groß ist, dass sie auf legalem Weg nicht zu decken ist. Laut Peter Nick vom Botanischen Institut des KIT habe das einen blühender Plagiate-Handel zu Folge. Das gelte insbesondere für sehr seltene Superfoods wie dem chinesischen Raupenpilz, der in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als kräftigend und aphrodisierend gilt. Davon werde laut des Experten jedes Jahr die achtfache Menge der tatsächlichen Ernte exportiert. Aber auch unter Chiasamen wurden bereits Fälschungen entdeckt. Dabei handelt es sich dann beispielsweise um Sesam.

 

Allergische Reaktionen möglich

Zu dem Ärgernis, viel Geld für eine Fälschung ausgegeben zu haben, kommt noch ein ganz anderes Problem hinzu: Wer nicht weiß, was er zu sich nimmt, kann auch nicht sicher sein, dass er nicht allergisch darauf reagiert. Solch allergische Reaktionen zeigen sich vor allen Dingen in Hautreizungen, aber auch Luftnot kann eine Folge sein. Diese kann unter Umständen sogar zur Lebensgefahr werden.

Doch auch wenn es sich um ein Original handelt, bedeutet das nicht automatisch, dass das Produkt einwandfrei und super gesund ist. Immer wieder tauchen Superfoods auf, die unter anderem mit Pestiziden, Schwermetallen (z.B. Arsen, Cadmium), polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Mineralöl belastet sind.

 

Genetischer Fingerabdruck deckt Plagiate auf

Aus diesem Grund hat das Forscherteam um Nick ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ganz einfach prüfen lässt, ob es sich um Fälschungen handelt oder nicht. Dafür nutzen sie eine Genschere. Sie passt wie ein Schlüssel ins Schloss nur auf ganz bestimmte Muster von Genfragmente. Ist das der Fall, handelt es sich um ein Original. Wenn nicht, dann ist es eine Fälschung. Nick vergleicht das mit einem Barcode, der mit einem entsprechenden Scanner ausgelesen werden kann. 7.000 entsprechende Barcodes hat das Team bereits in einer Datenbank gesammelt. Die Vision der Wissenschaftler ist, dass Lebensmittelüberwachungsbehörden zukünftig auf vorgefertigte Tests zurückgreifen und direkt bei der Einfuhr testen können, ob es sich um ein Originalprodukt handelt. Bis es soweit ist, dauert es jedoch wohl noch einige Jahre.

Bisher wurden die Proben meist mikroskopisch untersucht. Diese Methode hat jedoch einen Haken: Bei Pulver, beispielsweise Matcha, liefert sie keine zuverlässigen Daten. Eine Alternative ist das Auslesen von Gensequenzen, wie bei einem Vaterschaftstest. Laut Nick ist diese Methode jedoch teuer und sehr zeitaufwendig.

 

Wie gesund ist Superfood wirklich?

Wer eine rechtlich bindende Definition von Superfood sucht, merkt schnell: Es gibt sie nicht. Schlaue Marketingköpfe haben sich den Begriff ausgedacht, um super gesunde Lebensmittel besser vermarkten zu können. Doch heißt bedeutet das auch, dass die Produkte vielleicht gar nicht so gesund sind, wie beworben? Pauschal verneinen kann man das nicht. Es stimmt, dass die meisten Samen und Früchte aus Südamerika und Südostasien sehr nährstoffreich sind.

 

Wenn Superfood, dann regional – oder zumindest bio

Doch das sind heimischen Varianten auch. Anstelle von Chiasamen können Sie getrost auf Leinsamen zurückgreifen. Sie enthalten ungefähr gleich viel Omega-3-Fettsäuren und sogar mehr Ballaststoffe. Als Alternative zur Vitamin-C-reichen Goji-Beere eignet sich super gut Sanddorn. Mit rund 450 Milligramm enthält er etwa neunmal mehr Vitamin C als die aus China stammenden Beeren.

 

FAZIT:

Die heimischen Superfood-Varianten sind nicht nur deutlich günstiger, sie haben auch eine bessere Ökobilanz, da sie nicht von weither angekarrt werden müssen. Wer dennoch nicht auf die Exoten verzichten möchte, sollte zumindest zu solchen greifen, die das zertifiziertes Biosiegel tragen. Sie müssen unter anderem ohne synthetische Pflanzenschutzmittel oder Dünger erzeugt werden.

Hyaluronsäure: Der Trend beim Beauty- & Health-Event in Hamburg

Hyaluronsäure: Der Trend beim Beauty- & Health-Event in Hamburg

Draußen schien die Sonne auf das imposante Hotel Vier Jahreszeiten, das direkt an der Alster inmitten von Hamburg liegt. Im Inneren warteten auf uns elf Aussteller aus der Beauty- und Gesundheitswelt, die gestern auf dem Beauty- & Health-Event ihre Produktneuheiten für den Sommer 2018 vorstellten. Eines stach uns sofort ins Auge: Hyaluronsäure scheint der aktuelle Beauty-Trend der Kosmetikbranche zu sein.

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Körpers. Sie befindet sich in den Augen, in den Gelenken und eben auch in unserer Haut. Sie kann enorme Mengen an Wasser speichern und sorgt so für ein ebenmäßiges, straffes Gesicht. Nimmt der Hyaluronsäure-Gehalt im Laufe des Lebens ab, verliert unsere Haut an Elastizität und beginnt Falten zu bilden.

Beauty- und Health-Event            Quelle: Medienteam Medizin

 

Künstlich zugeführter Wasserspeicher

Die Kosmetikbranche fügt ihren Produkten also Hyaluronsäure zu, die diesem natürlichen Prozess entgegenwirken soll. Einige Unternehmen setzen dabei auf pharmazeutische Hyaluronsäure, die mithilfe eines besonderes Verfahren sehr verträglich sein, Feuchtigkeit effektiv speichern und die Haut so nachhaltig vor umweltbedingter Hautalterung schützen soll.

Wir finden die Hyaluronsäure bei dem Info-Tag in unzähligen Produkten: in Tages- und Nachtcremes für anspruchsvolle, reife Haut, in erfrischenden Gelen für sensible und feuchtigkeitsarme Haut, in Seren, Lippenpflege, Reinigungswässerchen und sogar in dekorativer Kosmetik wie Primer, Make-up und Concealer.

 

Hyaluron, ein Zauberwirkstoff?

Erste Tests an den Ständen versprechen zumindest ein angenehmes Gefühl auf der Haut. Primer und Make-up hinterlassen ein angenehm leichtes und geschmeidiges Hautgefühl auf dem Handrücken. Die Cremes duften gut und die meisten vorgestellten Produkte sind frei von Mineralölen und Parabenen (künstliche Konservierungsstoffe). Wir werden die einzelnen Produkte einmal genauer unter die Lupe nehmen und über einen längeren Zeitraum selbst testen.

Besonders hohe Erwartungen haben wir jedoch nicht. Denn selbst Wissenschaftler sind skeptisch, was die langfristige Wirkung von äußerlich angewendeter Hyaluronsäure betrifft. Um bis zur Lederhaut vorzudringen, müssten die einzelnen Fragmente der Moleküle sehr kurz sein. Ansonsten erzielen die Cremes und Co. allenfalls kurzfristige Ergebnisse. In der Regel wissen wir als Verbraucher aber nicht, in welcher Form die Hyaluronsäure vorliegt – und die kurzen Fragmente sind laut der Wissenschaft eher selten in Kosmetikprodukten enthalten.

 

Wir sind wieder dabei!

Alles in allem war das Beauty- & Health-Event der webportalis PR Network GmbH & Co. KG wie immer eine liebevoll gestaltete Veranstaltung, auf der wir interessante neue Produkte kennenlernen und testen konnten. Wir kommen auf jeden Fall im Oktober wieder.

Mini-Packungen – praktisch oder einfach nur nervig?

Mini-Packungen – praktisch oder einfach nur nervig?

„Der Müll ist schon wieder voll!“, rufe ich aus der Küche. Mir kommt es vor, als ob ich diesen Satz täglich sage. Dabei lebe ich in keiner Großfamilie mit zahlreichen Kindern. Nein, wir sind zu zweit plus einer genügsamen alten Katzendame. Dennoch wundere ich mich immer wieder, wie viel Müll wir produzieren. Als ich kürzlich las „Einzelhandel setzt auf Mini-Packungen“ wurde ich hellhörig. Kaufe ich diese Produktgrößen etwa auch?

Ich lebe in Hamburg. Hier wohnen die meisten Menschen in Single-Haushalten – und zwar mehr als die Hälfte aller Hamburger. In anderen Großstädten sieht es kaum anders aus. Wer sich als Alleinstehender also abends etwas zu Essen kochen möchte, freut sich im Supermarkt wahrscheinlich über die angepassten Portionsgrößen. Ich habe einmal einen Blick in unseren Haushalt geworfen und ja, auch bei uns gibt es Lebensmittel in kleinen Verpackungsgrößen. Und zwar nicht gerade wenig davon.

 

Überall verstecken sich die kleinen Produkte

Familie Nutella: In den kleinen Gläsern steckt gerade einmal eine Portion – und dafür viel

In unserer Küche stehen mehrere Nutella-Gläser. Ein vorbildlich großes mit 750 Gramm sowie eins mit 450 Gramm. Aber eben auch zwei Mini-Gläser mit jeweils 25 Gramm – Überbleibsel aus dem Campingurlaub im letzten Jahr. Die restlichen vegetieren jetzt auf einer Müllhalde in Schweden. Das Katzenfutter ist praktisch in kleinen Tüten von je 85 Gramm verpackt. Sehr angenehm, denn so steht im Kühlschrank keine streng nach Huhn riechende Dose herum. Mein Freund liebt Pickups, alle einzeln verpackt natürlich. Und wenn es auf den nächsten Städtetrip geht, kommen oft Shampoo, Zahncreme, Duschgel und Bodylotionen in praktischen Reisegrößen in den Koffer – geht ja nicht anders, aufgrund der Handgepäcksbestimmungen.

Ja, auch ich habe es gerne einfach und komfortabel. Aber es stört mich auch, dass wir immer mehr Müll produzieren – vor allem Plastik. Wenn ich dann lese, dass in einem Wal 30 Kilogramm Kunststoffmüll gefunden wurden, in den Ozeanen riesige Inseln von Plastikflaschen, Tüten und Co. treiben und ich bei einem Spaziergang im Volkspark die Duftwolke der Mülldeponie wahrnehme, wird auch mir klar: Praktisch hin oder her, so geht es nicht.

Mich beschäftigt aber noch ein anderer Aspekt: Sind die Mini-Packungen denn wirklich nur Umweltsünder oder für Menschen, die alleine leben tatsächlich ein Segen? Denn es kann auch nicht Sinn der Sache sein, Lebensmittel wegzuwerfen, weil die Portionsgrößen nicht stimmen.

 

Der Einkauf im Supermarkt

Ich beobachte eine ältere Dame, die mit ihrem Rollator unterwegs ist. In ihrem Korb liegen bereits eine kleine Packung Toast und ein halber Liter Milch. Gerade greift sie zu einem Päckchen Kaffeesahne – 20 Mal zehn Gramm Mini-Packungen. Besonders umweltfreundlich ist dieser Einkauf wahrscheinlich nicht, aber ich kann sie auch irgendwie verstehen. Für sie sind diese Verpackungsgrößen wahrscheinlich ein Segen. Denn ansonsten müsste sie vielleicht einiges an Lebensmitteln wegschmeißen, einfach, weil sie es nicht schafft, alles zu konsumieren, bevor es schlecht geworden ist. Aber sie sind auch wahnsinnig teuer.

 

Zum Vergleich:

Produkt Größe Preis (Preis pro 100g/1l)
Vollmilch Eigenmarke 0,5l 0,59 Euro (1,18 Euro/l)
Vollmilch Eigenmarke 1l 0,95 Euro (0,95 Euro/l)
Toastbrot 250g 0,99 Euro (0,40 Euro/100g)
Toastbrot 500g 1,19 Euro (0,24 Euro/100g)
Kaffeesahne 20 x 10g (200g) 0,60 Euro (0,30 Euro/100g)
Kaffeesahne 340g 0,55 Euro (0,16/100g)
Marmelade 8 Minis (200g) 1,69 Euro (0,85 Euro/100g)
Marmelade 200g 0,99 Euro (0,50 Euro/100g)
Fruchtgummi 75g 0,55 Euro (0,73 Euro/100g)
Fruchtgummi 200g 0,95 Euro (0,43 Euro /100g)
Fruchtgummi Minis einzeln verpackt 250g 1,69 Euro (0,68 Euro/100g)

Quelle: Eigene Recherche

 

Allein diese kleine Auswahl zeigt: Je kleiner die Verpackung, desto teuer ist das Produkt.

Aber was bedeutet das jetzt für mich? Ich habe mich tatsächlich dabei ertappt, wie ich intuitiv hier und da zu den Mini-Packungen greife. Besonders anfällig bin ich für die kleinen Naschereien an der Kasse: „Ach, da nimmst du noch mal eine kleine Tüte Fruchtgummis für den Liebsten mit und eine für mich selbst, für die Fahrt nach Hause“. Und schwupp landen zwei 75-Gramm-Packungen in meinem Einkaufskorb. Das sind 150 Gramm. Ich könnte also auch gleich eine große Tüte kaufen, sie im Auto öffnen, ein paar Bärchen essen und den Rest zuhause in eine Schale kippen.

 

Mein persönliches Fazit – und ein Spar-Tipp von Oma

Es gibt viele Singles und eben auch alleinstehende ältere Menschen, für die kleinere Verpackungsgrößen mit Sicherheit ein Segen sind. Ich kenne es allerdings von meiner Oma, dem alten Sparfuchs, anders. Sie kauft immer normale Größen und friert zum Beispiel Schwarzbrot und Toast ein. Das finde ich sehr clever. Auch Marmelade und Süßigkeiten halten so lange, dass Mini-Verpackungen einfach nicht nötig sind. Bei frischer Milch – nicht jeder mag eben H-Milch – verstehe ich hingegen, dass Menschen die kleineren Verpackungen kaufen. Ich persönlich werde in Zukunft mehr darauf achten, ob meine ganzen Extrakäufe wirklich nötig sind.

Denn gerade im Campingurlaub schafft mein Freund locker sein 450-Gramm-Glas Nutella, machen wir uns doch nichts vor. Die vorhandenen Reisegrößen an Shampoo und Co. werde ich aufbrauchen und sie dann mit meinen Produkten wieder auffüllen. Süßigkeiten gibt es jetzt auch nur noch in Normalgröße, kommt bei uns schließlich auch weg. Nur die alte Katzendame bleibt der Umweltsünder im Haushalt. Denn sie verweigert das abgestandene Zeug aus dem Kühlschrank und möchte es immer frisch…